Foto:
Martin Hodel, 1992
Hermes Phettberg: 
Hundert Hennen
Katechesen 1992 bis 2003
mit zahlreichen Abbildungen des Autors

BAND 1
Predigtdienst 1 bis 332, 1992-1998,
Von "Aus der Wolke eine Zehe" bis "Bruchsal"

BAND 2
Predigtdienst 333 bis 485, 1999-2001,
Von "Cobra übernehmen Sie!" bis "Blue Jeans"

BAND 3
Predigtdienst 486 bis 585, 2002-2003,
Von "Tag und Nacht am Leib" bis "Ein Gebirge Gebäck"

Sämtliche Texte faksimiliert
3 Bände im Schuber, ca. 1500 Seiten
Edition Erzählungen im Druckhaus Galrev
ISBN 3-933149-35-5
125 €/190 SFR
Warengruppennummer 1 150
 

Vorwort
Bewerbung
Weil ich so einsam bin, bin ich so glücklich, dass Galrev das druckt. Dies ist also ein Kontaktinserat. Wird wohl das erste Buch sein, wo ganz vorne ganz groß die e-Mail - Adresse des Autors steht und seine Telefonnummern und
seine Wohnadresse,...
Natürlich habe ich Rainer Schedlinski vom Galrev Verlag bestürmt, diese meine Predigtdienste in Form von Einzelblättern zu faksimilieren, zweitausend Stück sind an einem Wochenende in jedem Copyshop ganz leicht schwarz zu photokopieren.

Diese dann in zweitausend Schachteln, und darauf "Phettbergs" auf ein grünes Zettelchen vielleicht drucken und draufpicken oben am Deckel. Sollte wen der Haufen runterfallen, ist jedes Blatt so perfekt gekennzeichnet, dass es an einem einzigen Abend wieder geordnet wäre. Denn es kann kein Mensch der Erde die - bis dato - über 500 Predigtdienste lesen. Sie sind ja auch vor allem ein Piepsen eines geilen Hundes, vor Truhe noch einmal drangenommen zu werden.
Hermes Phettberg


Foto: Christian Fischer, 1992 

Ich finde es dem Rang deines Werks
äußerst angemessen, dass nun die Gesamtheit dieser Texte publiziert wird.
Ich bin sicher, in ihrer Masse wird sichtbar, was auch an jedem einzelnen Text nachzuprüfen ist, nämlich deine permanente Auseinandersetzung mit den kleinen Widrigkeiten und dem großen Bösen, dem pechschwarzen Unglück und dem kleinen Glück des Alltags, Was immer es aber ist, die Auseinandersetzung findet unter mit der vollen Wucht deiner Existenz statt, ohne Schonung, am allerwenigsten für dich selbst.
Ob diese existentielle Wucht eine Voraussetzung für das Gelingen von Literatur ist, weiß ich nicht. Um die ersehnte öffentliche Aufmerksamkeit in der nötigen stets steigenden Dosis zu erhalten, reicht sie kaum. Wohl aber ergibt sie etwas anderes, das mindestens ebenso ersehnt wird, weil auf artifiziellem Gelände schwer erhältlich: Glaubwürdigkeit. Die haben deine Texte, vielleicht mehr als du selbst. Dafür bezahlst du den nicht geringen Preis deiner Existenzangst, ja Existenzunfähigkeit. Wenn du, also deine Texte nun in toto abgedruckt werden, also für die Dauer aufgehoben, ist das
nur eine fällige kleine Kompensation.
Armin Thurnher Wien, 18.5.2004

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Danken Sie Gott bzw. Galrev, ansonsten hätten Sie diese 585 Predigtdienste von Phettberg nur als ungebundenen Papierhaufen in einer Schachtel erwerben können.
Somit darf ich Sie beglückwünschen zum raren Besitz eines erlesen Exemplars der limitierten Facsimile-Gesamtausgabe der Predigtdienste.
Bitte hüten Sie Ihre persönliche Werkausgabe der Phettberg-Papiere gut, der Original-Haufen mit sämtlichen Tippfehlern liegt ansonsten einzig gültig und vollständig am
Nachtkasterl von Phettbergs Bett.
Thomas Schmid
 
 
 
 

Foto: Michael Beinl  

Phettbergs PREDIGTDIENST Nr. 360
Finnen im Winter

...fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib
ins Verderben der Hölle stürzen kann...
Mat 10,26-33 (Evangelium am 12. Sonntag im Jahreskreis/ Lesejahr A)

Wenn er unter unserer Anklage stehen wird, beim Jüngsten Gericht, wird Gott mit einer sagenhaften Ausrede (Theodize) daherkommen, sodaß wir vor Rührung
zerfließen werden.
In etwa vielleicht so: Die anderen Götter hätten ihn,
unseren Gott, für 3 Ewigkeiten völlig zu Unrecht und aufgrund einer Intrige Jenseitssperre gegeben und ihn für diesen "Zeitraum" auf die alte, aufgelassene Frequenz - eben dieser, unsrigen Dimension - verbannt, auf der
er unser Weltall stattfinden hat lassen müssen, und die beinahe überhaupt keine Feinstofflichkeit bietet, und das bißchen habe er selbst gebraucht, und so habe er also mit völlig überholten Methoden wie Atome und Moleküle
operieren müssen. Wodurch es unweigerlich zu Entropie, Mord, Krankheit und Ableben habe kommen müssen. Aber nun, heute, wo seine Verbannung ende, werde
er alles gutmachen und allen seinen Geschöpfen von jeher an, jedes einzelne Superquark in jeder seiner Konfigurationen auf ewig rekonstruieren und es
uns allen auf ewig gut gehen lassen, jausnen, pudern und SM solange wir wollen. Und wir seien nun auch alle geheilt, gesund und in sexy BlueJeans, versaut oder wahlweise gepflegt und was auch immer gewünscht werde
spirituell. Und alle Einrichtungen sämtlicher Dimensionen stünden uns auf immer und ewig ständig und ununterbrochen zur Gänze zur Verfügung und offen.
Der Geist ist eröffnet. Alles Erfüllen!

Und alles je geschaffene wird in großen Strömen überströmen vor Mitleid und Gnade mit dem armen verbannten, so sehr ungerecht behandelten Gott und einströmen ins Jenseits von Ewigkeit zu Ewigkeit amen. Ich kenne uns Materie. Bedenken Sie in wie wenigen Wochen alle Jünglinge Europas, die nur halbwegs Waden haben, kurze Khaki-Hosen nun tragen bis zu den Knien (von oben weg) und festes Schuhzeug wie sonst nur Finnen im Winter. Wie wäre es jetzt schön lachhaft in prallengen Hotpants abgeschnittener, vorm Bersten gestanden habender Bluejeans durch Wien zu gehen mit Knobelbecher wo
möglich! Sodaß ein Flaum Eier vorne herauszuahnen ist und hinten der Einfallswinkel des Arsches am Oberschenkel exakt zu beobachten ist! Ich kränke mich zu Tode, daß als ich das Sexuelle wahrzunehmen begann, ich noch
nicht alt genug war, die Idee der Modewelle zu erkennen und also in die Falle der engen Bluejeans fallen habe müssen. Und geil bleibe nun auf immer und ewig darin. Sie aber wurden durch die saugeilen Bluejeans nur angezogen,
weils alle angezogen hatten. Und als ich sie sah, die geilen Ärsche, war ich unsterblich fetischiert. Aber die charakterlosen Luder zogen die Hosen sofort aus, als die Winterschuhindustrie ihnen die Waden zum Fraße
vorwarfen! Sie gehorchten der prallengen Jeansindustrie genauso wie der Winterschuhindustrie nun.
Welch Niedrigkeit, Materie zu sein!

 

Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger