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Gerard Manley Hopkins
Gedichte - zweisprachig 
ausgewählt und übertragen von Stefan Döring,
Gerhard Falkner, Henryk Halender und Andreas Koziol,
mit Zeichnungen von Gerard Manley Hopkins 

Edition Qwert Zui Opü
184 Seiten, 19 Euro / 39 SFR, ISBN 3-910161-20-0
Warengruppennummer: 1 150
Ob das Schreiben eine Ablenkung von seinem eigentlichen Amt sei, darüber war der Jesuitenpater Gerard Manley Hopkins zeitlebens im Zweifel. Seine frühen Gedichte vernichtete er größtenteils. Erst als der Prior den rhetorisch begabten Pater bittet, ein Gedicht über einen Schiffsuntergang, bei dem auch fünf Nonnen des Franziskanerordens ertrunken waren Der Untergang der Deutschland zu verfertigen, beginnt er wieder zu schreiben. Das knappe Hundert Gedichte, das dann entsteht, bildet das Zentrum seines Werks. Was hier sprachlich komprimiert erscheint, ist weitläufiger im Tagebuch zu finden, das zu führen ihm seine Skrupel nicht versagten. Hopkins als leidenschaftlicher Spaziergänger und Naturbeobachter wandert durch eine Landschaft, die er beseelt von Gestaltungskraft erlebt, und bedroht fühlt von Veränderungen, die seinem Ideal einer harmonischen Einheit entgegenstehen. Die Kirche ist gespalten, soziale Unruhen, die Iren rebellieren gegen England, die Sozialisten lenken den einfachen Mann davon ab, seine Pflicht zu tun, seiner geliebten Landschaft droht die Zerstörung.

Hopkins durchstreift seine Bezirke mit dem genauen Blick eines Wissenschaftlers und erfährt die Allgegenwart der Schönheit mit dem Entzücken des Mystikers. Sein Interesse gilt der Berachtung des Kleinen, der Einzelheit und seiner Beschreibung oder Gestaltung als Teil des Ganzen, als sein Ausdruck.

Zu dieser Zeit kennen nur wenige Freunde seine Gedichte, die auf sie so befremdlich wirken, daß es noch zwanzig Jahre dauern soll, bis eine Veröffentlichung seiner Dichtung zustande kommt. Erst die englischen Dichter der Nachkriegsgeneration nahmen Hopkins Werk, das gerade erschienen war, als den Beginn von etwas Neuem zu Kenntnis. Heute erscheint uns an seinen Gedichten der Versuch »modern«, Sprachen selbst als Natur neu zu entwerfen, die Sprache zum Sprechen zu bringen.
Stefan Döring
 
 
 

(Pied Beauty) Gescheckte Schönheit

Gelobt sei Gott für gesprenkelte Schöpfung -
Für Himmel, vielfarbig, wie Vieh gefleckt;
Für schwimmende Forellen mit rosigen Stellen übersät;
Finkenflügel; Kastanienfall wie Funkenflug;
Pferch und Flug - Flur in Flicken gestreckt;
Und alle Gewerbe, ihr Gewand und Geschirr und Gerät.

Alle Dinge ureigen, selten, fremd, vermischt;
Was immer unstet ist, (wer wüßte wie?) gescheckt;
Mit süß, sauer; blendend, bleich; schweigend, beredt;
Er hebt hervor, dessen Schönheit ohne Wandel ist:
Ihm Preis im Gebet.
übertragen: Henryk Halender 


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