Sabine Hassinger

KASSIM VOM BRIEF
48 S., 7,50 € / 14 SFR
mit Zeichnungen von Peter Herzog
ISBN: 3-910161-40-5


JUL

KOPFMAUS






Presse:
Sabine Hassinger ist eine höchst talentierte Autorin, die sich geschickt entzieht. Was sie auch sagt, wird zu einem Teilchen ihrer Sprachmusik.
Dieter M. Gräf, Baseler Zeitung


Es ist eine Fabrik und ein Spuk. Die Fabrik geht weiter aus sich heraus in Rohren. Der Spuk kreist und pluppt. Die Fabrik hat dicke Säulen und große Maschinen rattern. In die Rohre kommt der Dampf. Der Spuk ist ein kleiner Dampf und steigt und fällt.
Die Fabrik ist voll mit Staub und Lärm. Der Spuk kann sich bewegen in der Fabrik oder in die Röhre übers Land. Der Spuk spuckt immer auf eine Maschine in einem Staub mitten im Lärm bei einer Säule in eine Rohreinfahrt. Es ist eine Familie und eine Sprache. Die Familie geht weiter aus sich heraus im Rock. Die Sprache kreischt und pluppt. Die Familie hat dünne Säulen und große Maschinen rattern. Im Rock ist Dampf. Der kleine steigt und fällt. Die Familie ist voller Staub und Lärm. Der Spuk bewegt sich in der Familie oder in die Rohre übers Land. Die Sprache immer auf eine Maschine in eine Stadt inmitten Lärm einer Säule in eine Toreinfahrt. Es ist eine Fabrik und eine Sprache ein Spuk und eine Falle. Die Sprache geht weiter aus sich heraus in Rohren. Die Falle kreist und kreischt und pluppt. Die Sprache hat Säulen und Maschinen rattern. In die Rohre kommt Dampf. Die Falle ist klein und steigt und fällt. Die Sprache ist mit Staub und Lärm. Die Falle bewegt in die Sprache und in die Rohre übers Land. Die Arme jucken immer auf eine Maschine auf einen Menschen auf Dreck feste Steine Sprache ein Verlangen ein Spuk eine Fabrik ein Vermögen sind in der Zeit und im Wetter spucken in die Straßen in die Augen. Ein kleiner Dampf steigt und fällt.

 
Diese dreißig kleinen Erzählungen haben mich verwirrt. Und diese Verwirrung möchte ich Ihnen übertragen. Eine Tante aus dem Land meiner Kindheit sprach von Verehrlichung; und genau dort liegt KASSIM im BRIEF begraben. Alle Wörter sind (gut gemischt) schon vorhanden, und jetzt muß man sie abtragen. Wie in der Harfe der Patience (aber die Asse fehlen). So kam die Tante aus Frankreich zurück, und die Verehrlichung war kein Sprachspiel. Ein paar unwillkürlich verherrlichende Beispiele: „Manchmal den Kompost der zermalmten Worte stampfen.“ „Das Sagbare rennt frei herum überall ein Herzschlag zwischen Zähler und Nenner.“ „Auf daß er alle Zeit hat selbst mein Text.“ „Die Sprache ist Mitteilung erster Gier.“ Und so weiter. Ich kann nur sagen, ist die Sprache in einer Kindheit wie diese gekleidet (selbstverständlich umgekehrt), begegnet man ihr, trotz aller Katastrophen, gern; selbst wenn sich herausstellt, daß diese Geschichten gar nicht davon handeln, sondern vom Zwischenraum, der vor allem in KASSIM VOM BRIEF nirgendanders als zwischen den Zeilen zu finden ist.

S. Anderson


Sabine Hassinger

JUL
64 S., fester Einband
12,50 € / 23 SFR
ISBN: 3-910161-37-5



„Jul sagt am liebsten ach dann meinen Namen.“
„Jul ist natürlich sehr wunderlich.“
„Sowieso jeder Mensch ein Strich in der Landschaft.“
„… wenn Jul nach Kindern guckt heißt das Jul will weg zurück weiter wollte Jul, in Wirklichkeit Liebe bleiben.“



Sabine Hassingers Prosadebüt „Jul“ ist die akribisch genaue, eigenwillige und sprachlich innovative Erzählung einer Liebe.
Eindrücke wie aus der Ferne geholt, Bilder von Landschaften, Farben, sinnliche Wahrnehmung, Erinnerungen an das Kindsein und an Vorstellungen von Glück… das kontrastiert die Autorin mit den Reflexionen über den Wirklichkeitsgehalt der Sprache.
Dem „projektiven Verfahren“ in der Psychologie gleich, tasten sich die musikalisch gefügten Sätze zu Jul, der geliebten Person und dem „Zentrum“ des Buches, und den ihn umgebenden Dingen vor.
Dabei „geht (es) nicht um Benennung sondern um Beziehung“ zwischen den sprachlichen Strukturen untereinander zum einen und zum anderen um die Überprüfung der Beziehung dieser uneigentlichen Chronistin zu der in die Gegenwart gerufenen, im Schreibvorgang erstehenden und Selbstaussagen zitierenden Figur.


Sabine Hassinger

KOPFMAUS

Prosa
mit Rundobjekten von Frieda Schneider
96 S., 10 € / 19 SFR
ISBN 3-910161-72-3



Nach „Jul“ und „Kassim vom Brief“ ist diese dritte Galrev-Buch der Autorin bislang, wie man so sagt, privatestes, nämlich radikalstes im Verflüssigen der Spach-Aggregate. Auseinandergezerrt und ineinandergeschraubt nur möchte das noch lässlich sein. Das Hirn bzw. der Kopf ist ein Rundkäficht, in dessen Diameterschnittlinien ein Angsterfülltes pocht, Herzklopfen einer Maus in der Falle. Wenigstens hat mir diese Buch etwas skurill Kicherndes. Wie jedes Bosseln, im Alleralltäglichsten rundum; nicht leidet die Autorin große Worte, man wird das Fehlen von Allgemeinbegriffen als Qualitätsausweis erkennen. Das Ganze bildhaft durchaus (nicht nur in Frieda Schneiders Rundobjekten). Aber eben nicht „das Ganze“, sondern die bestimmte Meißelung des Details macht den Sinn. In Friederike Mayröcker mag man die Ahnfrau dieses weiblichen Prosa-Verhaltens sehen; Männer könnten wohl tatsächlich so niemals schreiben. „Weben Knoten Säumen Flechten“ (Benjamin). Wie eine große Tradition der literarischen Moderne derart fortgesetzt wird, daß vor der desavouierten Postmoderne die Moderne triumphierend ihr Haupt erhebt -: dies wäre hier, in lustvoller Lektüre, zu erlernen und zu würdigen.

Wolfgang Schlüter




In die fahlgelbe Schüssel gekochtes Wasser dann mit dem Brauskopf der kaltes gibt löschen das Genital drüberhängen unds anplanschen. Die Hand durchquert in Bindung die Höfe die andre hält nichts in der Hocke als seis von Belang daßeine trocken bliebe
n der Kinngrube landen die Finger neben der Figur steht der kalkpatinatisierte Wassertopf.


Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger