Foto: U. Ertel  
Ingolf Brökel
also
Gedichte .

mit Fotografien von Ulrike Ertel.  

EditionGalrev, Bandnummer 64
106 Seiten, 14 Euro / 26 SFR, ISBN 3-933149-42-8, ISBN neu: 978-3-933149-42-8
Warengruppennummer: 1 150

Über die Marginalität der Gattung Lyrik im öffentlichen Bewusstsein haben Enzensberger, Brodsky, Heaney und andere ganze Vorlesungen gehalten und Essays geschrieben. Brökel reichen ein paar treffende Zeilen „an das gedicht“ um das Dilemma auf den Punkt zu bringen.

Mit wörtlich genommenen Redewendungen, gegenständlich verwendeten Abstrakta ("Lehrstuhl"), viel Ironie und Witz gehen die Verse satirewürdigen Verhältnissen an den Kragen. Die Verwendung zeittypischer umgangssprachlicher Floskeln und gezielt sparsam eingesetzte Endreime garantieren die mit etlichen satirischen Widerhaken versehene Geschmeidigkeit des Gedichts und seine Verständlichkeit und gute Lesbarkeit.

Brökels Geburtsort Sauo gibt es nicht mehr. Er liegt heute abgebaggert und begraben unter dem Lausitzring. Dass Brökel die Erinnerung an den Ort und seine Bewohner behutsam, aber ganz unsentimental wach hält, ist ein großes Plus seiner Lyrik. Sich auf andere Weise als die Geschichtsschreiber an Gewesenes zu erinnern ist seit je die Berufung von Dichtern von Rang.

Dorothea von Törne
 
 

 

so schnell geht das

 

mit bruchteilen von sekunden

die zeit totschlagen:

sämtliche blumenuhren

für immer festhalten.

 

welch unterschied

zwischen

sprichwörtlich und wortwörtlich

blitzlicht und blitzkrieg

 

und für bruchteile von sekunden

ist man erschrocken.

1980

 

rodin. der denker (1880)

 

ja man schimpfte ihn so.

er hatte einen kleinen kopf

und ausgeprägte muskeln

und saß oft stundenlang nackt

regungslos auf einem stein

wenn sie richtig sehen können.

wissen sie seine gedanken

steckten sehr tief. eine arbeit-

sie können sich das nicht vorstellen

ehe er sie beisammen hatte.

am ende sagt man

zerbrachen ihm diese muskeln

den kopf.

1996




Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger