Foto: U. Ertel  
Ingolf Brökel
eben
Gedichte .

mit Variationen einer Fotografie von Ulrike Ertel.  

EditionGalrev, Bandnummer 63
114 Seiten, 14 Euro / 26 SFR, ISBN 3-933149-41-X, ISBN neu: 978-3-933149-41-1
Warengruppennummer: 1 150
Hier haben wir einen, der nimmt die Sprache beim Wort. Die falschen Töne der Alltagsfloskeln erscheinen als Indizien für den Geisteszustand der Menschen, doch werden sie auf eigentümliche Weise, indem ihre verbale Ambivalenz offenkundig wird, ebenso auch zu Zeugnissen von Wahrheit. „Wäre das nicht viel zu wahr, um wahr zu sein…“ heißt es in einem der Brökelschen Gedichte, wobei das Erstaunliche, die Sensibilität des Autors, darin besteht, allein aus einer schon für abgetan gehaltenen Sprache überraschende Einsichten zu ziehen, durch Kombination von gegensätzlich Gemeintem. Dadurch, daß die Gedichte sich des „hohen Tones“ enthalten, zeigt sich durch Verschachtelung und durch Paarung des scheinbar Unvereinbaren die Realität, allgemeine und individuelle; eine Realität, die uns bekannt vorkommt, weil wir in ihr stecken, ohne es noch zu merken:

Brökel macht uns darauf aufmerksam, und zwar nicht ohne Ironie, Witz, Scherz, aber immer mit tieferer Bedeutung. Ich halte diesen Dichter für einen Sonderfall in der deutschen Lyrik, die weithin als rezeptfreier Ersatz für Valium benutzt werden kann. Für Schlafmützen: Brökel macht wach! Vorsicht! Hier wird zum Nachdenken, nicht zur Nachsicht aufgefordert.

Zwei Zeilen eines seiner Texte benennen, ohne es zu meinen, nebenbei des Dichters Programm: „Es klingt nicht freundlich/ was auf die Welt kommt.“ Was wohl daher rühren mag, daß wir ein Brecht-Gedicht gänzlich anders erfahren haben und seinen Titel ändern müssen in „Von der Unfreundlichkeit der Welt.“

Günter Kunert

 

 
 
 
 

revolution

revolution - na klar

du erinnerst dich doch

diese fete damals.

richtig, mit flachmännern

und bauchigen flaschen

drehten wir durch.

irgend etwas

hatten wir noch zerschlagen.

weißt du nicht mehr

als wir aufwachten

ging es uns schlecht.

1995

 

lebenslauf

erst die brezel beim bäcker

daraus später die acht

als sie kippte die brille

dann das unendliche

die gebundene schleife.

1999





Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger