Social Beat 
herausgegeben und mit einem Vorwort versehen
von Hadayatullah Hübsch
Fotografien: Achim Benner 

156 Seiten; 15 €, 27,50 SFR, ISBN 3-910161-60-X 
       
 
 
 
 
...Social Beat. Aber kaum einer weiß, was sich hinter diesen beiden Wörtern verbirgt. Weder die Medien, noch die Macher von kleinen, literarischen Zeitschriften, noch die sogenannten Social-Beat-Autoren können (oder wollen) genau Auskunft geben, was das allerorts so begierig aufgenommene Label meint. Dennoch scharen sich jene, die etwas Außergewöhnliches wittern, vielleicht auch nur einen neuen Trend, um dieses Markenzeichen... 
...Kurzum, "Beat" war schon o.k., als Dahlmeyer und Nöske über einen Namen nachdachten, unter dem sich die Szene der Underground-Poeten finden könnte, aber "Beat" war (nicht mehr) genug. Dachten sie. Immerhin ist unübersehbar, wenn man nachzudenken gewillt ist, daß die Zeiten sich geändert haben, seit die Gruppe wilder US-Dichter gegen Puritanismus und Heuchelei aufstanden. Ihr Weg aus Rausch und Besinnung, aus Zen und Sex, aus Drogen und Jazz war so nicht mehr einfach imitierbar. The times, they are a-changing... 
...Und so verfielen Dahlmeyer und Nöske auf die Idee, dem "Beat" ein ziemlich für Anstoß sorgendes Vorwort beizustellen: Social... 
...Zu vergleichen ist deswegen die Landschaft der Social-Beat-Zeitschriften etc. mit dem Experiment, das Joseph Beuys anstellte, als er in der Lage war, als Professor an der Kunst-Akademie zu Köln nicht mehr Aufnahmekriterien zu stellen; als in seine Klasse kommen durfte und konnte, wer wollte. Sein Diktum, daß Kunst Leben sei und Leben eine Kunst sein müsse, ist so auch das, was ich bei den Social-Beat-Autoren finde: die Ehrlichkeit der Empfindung, die Echtheit der Wahrnehmung, die Stärke des Erlebens und die Würde, den aufrechten Gang immer und immer wieder zu proben, zählen mehr als literaturwissenschaftliche Kriterien... 
...Daß Social Beat oft genug so scheel angesehen wird, hat auch damit zu tun, daß seine Protagonisten mit dem hinlänglich bekannten Literaturbetrieb gar nichts zu tun haben wollen; daß sie sich ihm eher entziehen, bzw. ihn nicht ernst nehmen, wenn er sich auf den Sohlen eines Journalisten nähert, der über sie schreiben möchte, warum auch immer. Man fühlt sich selbstsicher genug, um eigene Produktionsapparate aufzuziehen, eigene Verlage und eben Zeitschriften, in denen sich auch die tummeln dürfen, die den Akademikern ein Graus sind... 
Auszüge aus dem Begleittext von Hadayatullah Hübsch 
 
 
 
 
Donald Perry auf dem Himmelsgrund 
über dem würgfeigenkreuzrippengewölbe 
Sonnenmaulwurf wühlt sich / durch schnitte von wolken still stürzender / quarze im block des wassers / lianengeädert flüssiges orgelbrausen / im tropenwald wo die lichtvögel nisten / in der marienglashöhle des regens // 
Den himmel abgrasend mit schmerzenden fingern / klammerte ich mich allein an die / schründe der zirruswolken // 
Was wird wurzel was strebt zum licht / Was arbeitet in der erde / Was kämpft in sonnentiefen? // 
Steht der regen still oder steigt er in / irisgekrümmter zeit? // 
Brüllaffenepen der wellenreiter auf grüner laubgischt / in die wolke des dunkels geschmiegt / beschrien sie die nacht / unter ihnen das waldmeers platine / wo das licht in prielen abfloß // 
Ich war ihr verkrüppelter bruder / regenschneider der dem haus sein gewand anmißt // 
Am abend waren die berge der anderen welt / violett wie lebende seeanemonen // 
Ich war ein ölgefiederter 
affe in blauer schreck mimikry // 
Der webstuhl war angezettelt meine finger / riefen alles wissen der welt ab 
dem / laptop im 
schlot der würgfeige dem mein / zeitplan 
logisch erschien bei / kaffee 
und bergsteigerleinen / Kleine breite hände / eines 
mannes erz zu graben / Die orchideen mit 
herzallüren / Das agentennetz der 
spinnen / leuchtpilzbeleumdet 
in des / epochenbarbiers hängender bude // 
ich habe 
tief im bergwerk des himmels gelebt / in feuchter 
spinnenerde der nacktwurm // 
war ich die mücke meine welt ein fußabdruck / bis zum astufer oben // 
war benachbart den schläfern im / glockenstuhl der bromelien // 
den vendetten der heliconiumfalter und passionsblumen // 
entdeckte ich jeden tag eine neue evolutionsgeste / in tages generationen // 
Schön war diese stadt aus laub und regen // 
Und kanzelherab mit der krone verbündet / die diözesen der würgfeige / palmblätterketzerei die ergebenheit der lianen ihr / kreuzrippengewölbe über verbranntem schiff der autodafés / ihr maßwerk ihr nepotismus / ihre kardinäle mit der echsenhaut // 
Was wenn die regenstadt unter uns brennt / Dann-- / halten wir das gespinst im fallwind über dem grün / oder ertrinken in den windflüssen / die nicht nach hause können / aus dem hirnlaub der welt // 
Wenn der wolkenschlick aufreißt liegt der / mond auf dem grund des universums // 
Aber auf stegen der überständerklamm entlang 
gebaut / gleitflügelsamenobserviert / kommen touristen // 
Hel 


Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger