Abriss der Ariadnefabrik 
 herausgegeben von Rainer Schedlinski
und Andreas Koziol
 

340 Seiten; 17,50 €, 32,50 SFR,
ISBN 3-910161-00-6 
       
 
 
 
 
Mit einer Auflage von 100 Heften war "Ariadnefabrik" (´86-´89) das geistvollste Archiv der literarischen Essayistik zu Zeiten der DDR. 
 
als wir 1986 mit der herausgabe der ARIADNEFABRIK (den titel entnahmen wir einem gedicht von sascha anderson) begannen, zirkulierten bereits etliche editionen, die die hemmschwelle beseitigt, die wege geebnet, und die verteilerkanäle geschaffen hatten. das waren meist hefte, die texte, grafiken und auch partituren, wie sie die unbestellte kulturlandschaft hervorbrachte, ganz und gar positivistisch und in loser folge versammelten. über diese neue art zu dichten oder zu malen, die der kunstwissenschaft weitgehend entfremdet war, begannen autoren dann mehr und mehr auch zu reflektieren. der anlass, eine quasiessayistische zeitschrift herauszugeben, ist aus dem theorienotstand heraus also schnell erklärt, nicht aber deren idee, die notwendig zunächst nur eine kultivierte hohlform bilden musste. als elke erb 1984 die anthologie BERÜHRUNG IST NUR EINE RANDERSCHEINUNG für den verlag kiepenheuer & witsch zusammenstellte, und die autoren zu ihren texten befragte, fiel ihr auf, dass unter jedem wort eine theorie lagerte, die vordem eher verschwiegen, als verfahrensordnung existierte, die das lesen der texte veränderte und nun ihr system offenzulegen begann - vielleicht auch deshalb, weil nicht nur der prenzlauer berg nun mehr und mehr über seine gewachsenen grenzen trat und gezwungen war, sich einer neuen, nicht selbst gewählten öffentlichkeit zu erklären. über diese SZENE (für die man noch immer nach einem klärenden begriff sucht) ist viel geschrieben worden, im dienste aller möglichen ästhetischen und ideologischen konventionen, doch meist an ihrem eigenen selbstverständnis vorbei, und zugunsten jener gewissheiten, die von vorn herein auf populistische denkbedürfnisse abonniert sind. 
in der puren ausstellung der andersartigkeit dieser kultur, der blossen thematisierung ihrer entfremdung, fühlten sich die autoren in ihrem denkanspruch freilich nicht erschöpft, sondern allenfalls verankert in der notorischen perspektive der milieuliebhaber, kulturbeobachter und kulturschlucker. 
was wir für unser heft suchten, waren theoretische texte, die, wie auch poesie, ihre innere bewegung durch den eigensinn formaler prozesse erzeugen; die nicht faktisch in gedanken über die dinge erstarren, sondern die tatsachen in sich FORTLEBEN, um damit selbst tatsachen zu schaffen, und sprache zum handeln zu bewegen. einem schlechthin betrachtenden, mehr noch einem theoretischen text, verbietet der akademische anstand ein eigenleben zu führen, und sich in seinen formen zu beleben; er muss vor den dingen zurücktreten, will er einen ungestörten DURCHblick auf den gegenstand gestatten. 
wir konnten natürlich nur auf das zurückgreifen, was da geschrieben wurde und uns erreichte. auch in dieser auswahl kann es uns weder um priorität der autoren, noch um eine erschöpfende präsentation der vorhandenen auffassungen gehen, sondern lediglich um eine dokumentation dessen, was die herausgeber unter essayistik verstehen. dennoch glauben wir mit diesem ABRISS einige entscheidende brüche im überbau sichtbar zu machen, unter denen sich seit langem schon die trümmer des denkens zu türmen begannen 
Gekürzt aus dem Editorial

 
 

Richard Anders Sascha Anderson Walter Aue Thomas Böhme Barbara Bongartz Alexander Brener Gesualdo Bufalino William Burroughs Guido Ceronetti William Cowper John Donne Paul Durcan Elke Erb Gerhard Falkner Gino Hahnemann Gerard Manley Hopkins Dzévad Karahasan Bob Kaufman Andreas Koziol Heiner Link Frank-Wolf Matthies Oliver Mertins Bert Papenfuß A. R. Penck Hermes Phettberg Jürgen Ploog Jacques Roubaud Astrid Schleinitz Wolfgang Schlenker Dieter Schlesak Uve Schmidt Kiev Stingl Jáchym Topol Franck Venaille Keith Waldrop Paul M. Waschkau Ulrich Zieger